die Mitmachausstellung

Deutschland*Ein*Wanderungsland – eine Mitmach-Ausstellung

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Deutschland*Ein*Wanderungsland ist eine Mitmach-Ausstellung, die die Migration in den Mittelpunkt stellt. Migration ist selbstverständlich und normal.

Grundschulkinder der Klassenstufen 4 bis 6 erkunden in Stationen Wanderungsgeschichten von Lebensmitteln, Wörtern und Menschen. Die Materialien sind für Jugendliche und Erwachsene ebenso geeignet.

Konzeption der Ausstellung

Annita Kalpaka beschreibt in „Wie die Elefanten auf die Bäume kommen – Chancen kirchlichen und pädagogischen Handelns in der Einwanderungsgesellschaft.“:

  • Die Bundesrepublik ist ein Einwanderungsland, eine nichthomogene, multiethnische, multikulturelle, multireligiöse, mehrsprachige usw. Gesellschaft und dies nicht erst seit neuestem. Migration hat es immer gegeben und es wird sie weiterhin geben.
  • “Wir sind hier, weil ihr da wart“ („we are here because you were there“); dieser Satz von Sivanandan, einem schwarzen Aktivisten in Großbritannien ist mir eindrücklich im Kopf geblieben als die kürzeste Form, in der man auf die Weltwirtschaftsordnung unserer Tage und auf Ursachen von (unfreiwilliger) Migration und Flucht verweisen kann.
  • Kulturen sind unabgeschlossen, prozeßhaft und veränderbar. Sie sind weder Naturkonstanten noch Eigenschaften, die Menschen determinieren. Sie sind klassen-, alters-, geschlechtsspezifisch, unterscheiden sich nach ethnischen, sprachlichen u.a. Gesichtspunkten und stehen in einem Verhältnis von Über- und Unterordnung zueinander bzw. kämpfen gegeneinander. Nicht die Verschiedenheit an sich, sondern die Machtverhältnisse, unter denen sich kulturelle Formen begegnen und sich jeweils durchsetzen müssen, ist dabei das Entscheidende.

Die Ausstellung thematisiert große, globale Zusammenhänge in kleinen alltäglichen Beispielen auf das Alter von Grundschulkindern angepasst. Sie ermöglicht die Erfahrung von Interdependenzen, gegenseitigen Abhängigkeiten. Dadurch stärkt die Ausstellung das Gefühl und das Wissen, dass Entwicklungen auf dieser ‚Einen Welt‘ tatsächlich zusammenhängen.

Alle Kinder erarbeiten sich Wissen über (Wanderungs-)Geschichte(n) und ihre Zusammenhänge: Wie sich kulturelle Errungenschaften im Miteinander entwickelten, wie der Reichtum Europas durch koloniale Eroberungen entstand, wie die koloniale Geschichte unseren Alltag bis heute prägt. Alle können damit vorbereitet werden auf das Leben in der globalisierten Welt mit ihren facettenreichen transkulturellen Identitäten und ihren vielfältigen Lebensentwürfen. Vor diesem Hintergrund ist die Ausstellung mit ihrer Kernaussage ‚Migration ist Alltag, völlig normal und uralt‘ ein Empowerment für Kinder.

Die Ausstellung und die begleitenden Bildungsangebote sollen Grundsteine legen für Verantwortung und Solidarität in der Einwanderungsgesellschaft und der ‚Einen Welt‘, indem Schüler erkennen, dass ‚europäische Geschichte‘ nicht isoliert stattfand, dass der Reichtum nicht im luftleeren Raum entstand, dass gesellschaftliche Entwicklung immer im Miteinander und in der Vermischung stattfand.

Während Einflüsse von außen im Geschichtsunterricht und im oftmals eurozentrischen Selbstbild vielfach ausgespart werden[1]/[2], macht die Ausstellung Deutschland*Ein*Wanderungsland über Wanderungswege Transkulturalität sichtbar, legt Spuren zu den vielen Quellen unserer Kultur(en) und zur Geschichte, die eine Geschichte der Bereicherung im doppelten Sinne ist, eben auch eine der Ausbeutung. Und die Ausstellung legt die Grundlage für ein offenes Verständnis von Kultur. Kulturen sind keine voneinander getrennten Inseln, niemals festgelegt, rein, ursprünglich oder abgeschlossen[3], wie das auf Herder beruhende traditionelle Kulturverständnis suggeriert. Die Ausstellung erinnert daran, dass Kulturen die Provokation durch fremde Quellen benötigen. Dieses Verständnis wappnet Kinder und Erwachsene für die Zukunft.

In Einem: Die Ausstellung lädt ein, transkulturelle Dimensionen zu entdecken: Kulturen sind miteinander verflochten und durchdrungen, sie gehen ineinander über.

„Es wird auf die Fähigkeit des Einzelnen ankommen, die individuelle Transkulturalität anzunehmen und sich so der gesellschaftlichen Transkulturalität zu stellen.“ [4]

Bildungsansatz, theoretische Fundierung: Inhalte und Form beruhen auf Grundlage des globalen Lernens unter Einbeziehung der Milleniums-Entwicklungs-Ziele und der Migrationspädagogik. Diese beinhaltet Erkenntnisse der kritischen Rassismusforschung und der Intersektionalitätsforschung (welche sich auf die Überschneidung von Machtverhältnissen und damit Diskriminierungsformen bezieht) bzw. Ungleichheitsforschung (einem Bereich der Bildungswissenschaften). Die Ungleichheitsforschung geht davon aus, dass soziale Ungleichheit in allen bekannten Gesellschaften existierte und existiert und immer eine sozial erzeugte Tatsache ist, auch wenn sie als naturgegeben und ‚normal‘ erscheint. So werden in allen Ausstellungsbereichen (Wie Wörter wandern, wie Lebensmittel wandern, wie Menschen wandern) Ungleichheiten thematisiert, um ein Nachdenken darüber, was ‚normal‘ und ‚naturgegeben‘ erscheint, zu ermöglichen. Denn das, was sozial erzeugt ist, ist auch veränderbar. Soziale Gerechtigkeit ist die Leitvorstellung. Sie zielt auf die gleiche Verteilung materieller und immaterieller Ressourcen in einer Gesellschaft und die sich daraus ergebenden Möglichkeiten zur Teilhabe, einschließlich der Generationengerechtigkeit. Derart werden die zentralen Fragen des Globalen Lernens bearbeitet, die Fragen nach der Verwirklichung von Menschenrechten, globaler Gerechtigkeit und nach den Bedingungen für eine friedliche Welt.

 

Aufbau der Ausstellung

Die Mitmach-Ausstellung Deutschland*Ein*Wanderungsland ist in Stationen aufgebaut:

 

[1] Roland Bernhard (Bernhard, Roland, 2013) spricht von „Marginalisierung von Universalgeschichte“ (S. 212) und „einer stark europäischen Perspektive“ (S. 12).

[2] „[…] das Pänomen des Eurozentrismus […], der insbesondere durch den Ausschluss der „Anderen Europas“ aus der modernen Geschichte charakterisiert ist.“, in: Georg-Eckert-Insitut (Hg.), 2011

[3] Laut llja Trojanov und Ranjit Hoskote (Trojanov, Ilja / Hoskote, Ranjit, 2009) bekämpfen sich Kulturen nicht, sie fließen zusammen. Sie zitieren Edward Said zur Beschreibung der Verwobenheit der Welt: „Alle Kulturen sind […] ineinander verstrickt, keine ist vereinzelt und rein, alle sind hybrid, heterogen, hochdifferenziert und nichtmonolithisch.“

[4] Takeda, Arata: Transkulturalität im Schulunterricht. Ein Konzept und vier ‚Rezepte‘ für grenzüberschreitendes Lehren und Lernen. 2010 https://publikationen.uni-tuebingen.de/xmlui/handle/10900/46693